Ein Macher und Konsensfinder tritt zurück

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Bis zum 26. April 2018 ist Urs Hany Präsident von Infra Suisse bis Ende Jahr Vizepräsident des SBV. Seine Karriere und sein Schaffen sind ein Vorbild für andere.

«Ich hatte sehr viel Glück.» Diesen Satz hört man im Gespräch mit Urs Hany immer wieder. Was auffällt: Es ist das Glück des Tüchtigen. Doch der Reihe nach. Dass er einmal Präsident von Infra Suisse werden würde und dass er dem Tiefbau in der Schweiz zu zentralen Impulsen verhelfen würde, daran dachte der in Zürich geborene und aufgewachsene Urs Hany in seiner Kindheit nicht. Berufspilot wollte er, der Sohn eines Werkmeisters, werden. Allerdings zeigte sich, dass eine entsprechende Ausbildung bei der damaligen Swissair ihm verwehrt bleiben würde, weil nicht alle seine Finger der Norm entsprechen. Einen anderen hätte es frustriert, doch Hany ist keiner, der sich von so etwas behindern lässt. Berufspilot wurde er trotzdem, absolvierte die Ausbildung auf eigene Kosten und flog Privatkunden. Zuerst absolvierte er jedoch eine Lehre als Bauzeichner. Dabei zeigte sich, dass ihn der Tunnelbau und Spezialtiefbauprojekte ganz besonders faszinierten. An der Fachhochschule Winterthur bildete er sich in der Folge zum Ingenieur weiter, in einer Zusatzausbildung war er Fachhörer an der ETH Zürich. Das Wissen setzte er vorerst als Angestellter um, und zwar als Ingenieurbauführer bei Bahntunnelsanierungen. 1985 wagte er mit dem Unternehmen Greuter Grundbau den Weg in die Selbstständigkeit. Minderheitsaktionär war die Firma Greuter AG, daher der Name. Die Kernkompetenz des Unternehmens waren Tunnelsanierungen und der Spezialtiefbau. Im 2005 verkaufte Hany die Greuter Grundbau AG an die Greuter AG.

Der Konsensfinder
Hany priorisierte in der Zwischenzeit seine politische Karriere. Kaum war er stimmberechtigt geworden, war er schon Kandidat für die RPK seiner Gemeinde. Er gründete in der Folge an seinem neuen Wohnort Niederhasli eine CVP-Sektion und amtete zwölf Jahre als Gemeinderat. Nach einer Station als Kantonsrat wurde er im Jahre 2006 in den Nationalrat gewählt. Weiter gelang ihm als jahrelangem CVP-Wahlkampfleiter ein Coup, als er es schaffte, Hans Hollenstein anstatt Toni Bortoluzzi in den Zürcher Regierungsrat zu bringen und der SVP so einen Sitz abzujagen. Die heutige Polarisierung der politischen Positionen, sagt er, gefalle ihm nicht. Er sei schon einer, der eine klare Meinung vertrete.

Dennoch gehe es ihm nicht in erster Linie darum, diese auch durchzusetzen, womöglich auf Kosten anderer, sondern darum, einen für allen gangbaren Konsens zu finden. Deshalb politisiere er auch in der CVP, einer Partei der Mitte. «Die Politik geht leider in die Richtung, dass mehr Wert auf markige Worte als auf Lösungen gelegt wird», bedauert er und fügt hinzu: «Auch im SBV-ZV sind wir nicht immer einer Meinung, führen manchmal Diskussionen. Das bringt schlussendlich den Verband weiter. In der Politik muss man ebenfalls eine klare Linie haben und diese vertreten. Es darf aber nicht passieren, dass keine Lösungen erzielt werden können, weil alle an ihren konträren Positionen festhalten, koste es, was es wolle.» Seine Konsensfähigkeit verschaffte ihm Achtung und damit ein breites politisches Beziehungsnetz, über das er heute noch verfügt.

Zu seinem Abschied als Präsident von Infra Suisse hat ihm zum Beispiel die UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard einen Brief geschrieben, in dem sie sein Schaffen sehr lobte. Als Nationalrat war Hany Mitglied in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF), der Kommission für öffentliche Bauten (KöB), die er sogar präsidierte, und der Gerichtskommission (GK).

Niederlagen zu Erfolgen machen
Eine Niederlage einstecken, musste Hany im Jahre 2011, als er als Nationalrat nicht wiedergewählt wurde. Der Grund dafür war, dass seine Partei, die CVP, im Kanton Zürich einen Nationalratssitz verlor – denjenigen von Hany. Dass nicht alle Zürcher CVP-Nationalräte wiedergewählt werden würde, das war schon vor dem Urnengang klar gewesen. Hany hatte den kantonalen Wahlkampf der CVP geleitet und sich, typisch für ihn, nicht um eigene Interessen gesorgt, sondern um diejenigen der Partei. Es wird gemunkelt, dass es Ränkespiele im Hintergrund waren, die ihn den Sitz kosteten. Im Gespräch zeigt sich: Die Niederlage schmerzte – in einem ersten Moment. Aber Hany ist keiner, der sich verbittert zurückzieht, sondern jemand, der Änderungen als Chance begreift. So wurde er Richter am Zürcher Baurekursgericht, weiter ist er Verwaltungsratspräsident der Trasse Schweiz AG, Vorstandsmitglied bei Litra, dem Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr und Verwaltungsrat bei der Greuter AG. «Das sind alles sehr schöne und spannende Aufgaben», freut er sich.

Traumjob bei Infra Suisse
Sehr genossen hat Hany seine Zeit bei Infra Suisse. Er, der zehn Jahre im Vorstand war, davon sieben Jahre als Präsident, blickt stolz auf das zurück, was Infra Suisse erreicht hat, zum Beispiel die Sicherstellung einer guten Ausbildung. Dabei bleibt Hany indes bescheiden, verweist auf sein Glück, dass ihm gute Leute zur Verfügung standen, der frühere Geschäftsleiter Benedikt Koch und der heutige Matthias Forster sowie der Leiter der Schule der Verkehrswegebauer, Urs Lütolf. «Die haben alles gemacht, ich konnte mich voll auf sie verlassen.» Was Hany meisterhaft beherrscht hat, war, seine politischen Beziehungen zugunsten von Infra Suisse und SBV zu nutzen. «Sehr gut ist mein Kontakt zum Astra sowie zum Bundesamt für Energie», zählt er die Vorteile auf. So konnte Hany die Anliegen von Infra Suisse gleich am richtigen Ort deponieren. Wenn es die Situation erforderte, bekam er einen Termin mit einem Bundesrat. Auch wenn er nicht mehr Nationalrat ist, weilt Hany häufig in Bern. Dabei ist er keiner, der sagt: «Mutige, vorgetreten, denn ich bin dann mal weg und hinterlasse eine sehr hohe Messlatte.» Hany war es wichtig, seine Nachfolge bei Infra Suisse gut aufzugleisen. «In der Regel werden unsere Präsidenten für zwei Jahre gewählt. Ich habe entschieden, mich für ein Jahr wählen zu lassen, eben bis zum 26. April 2018. Ab dem 27. April wird dann Claudio Giovanoli meine Nachfolge antreten. Der Vorteil dieser Konstellation: Ich konnte ihn Gesprächspartnern in Bern bereits als meinen gewählten Nachfolger vorstellen. Da wird er ganz anders wahrgenommen, als wenn ich berichtet hätte, er würde wohl zu meinem Nachfolger gewählt werden.» Giovanoli, meint Hany und lächelt, habe sich schon sehr gut eingearbeitet. «So gehen meine politischen Kontakte für die Infra Suisse nicht verloren.»

SBV-Vizepräsident
Hany amtete in den letzten vier Jahren ebenfalls als Vizepräsident des SBV. Dieses Amt wird er per Ende Jahr abgeben. Dass mit Gian-Luca Lardi jemand Zentralpräsident ist, der etwas vom Tiefbau versteht, freut ihn sehr. Lardi war für ihn der ideale Nachfolger von Werner Messmer. «Zwar war er politisch vorher nur auf Gemeindeebene, nicht national, tätig, aber er hat es geschafft, sich schnell auf dem politischen Parkett in Bern zurechtzufinden.» Auch Lardi konnte auf die Kontakte von Hany zählen. Der einräumt: «Wir haben nicht immer die gleichen Ansichten, aber wir können gut miteinander diskutieren. Und darauf kommt es an. Was hat sich in den vielen Jahren, in der er in der Baubranche ist, verändert? «Die Rekursmöglichkeiten führen dazu, dass es viel zu lange dauert, bis man bauen kann. Die rechtsgültigen Entscheide werden sehr spät gefällt. Zudem müsste es die Möglichkeit geben, das Allgemeinwohl über das individuelle zu stellen. Dann könnten nicht Einzelpersonen Bauprojekte über Jahre verzögern. Allerdings ist der Weg zu diesem Ziel ein weiter, denn man müsste eine solche Interessenabwägung auf allen Ebenen, also kommunal, kantonal und national, einführen.»

Enkelkinder und Reisen
Was kommt nach Infra Suisse? Hany, der früh heiratete, Vater zweier Töchter ist und Grossvater zweier Enkelsöhne, freut sich auf mehr Zeit mit den beiden Kleinkindern und auf Reisen mit seiner Frau. Allerdings wird er, der seine Mandate behält, weiterhin über ein Arbeitspensum von 50 bis 60 Prozent verfügen. Zwar plant Hany nicht, diese Mandate ewig weiterzuführen, aber nichts zu tun, das kann er sich auch nicht vorstellen. «Es wird etwas Neues kommen», ist er überzeugt. Und räumt ein, er sei eben ein Macher, einer, der gern etwas bewirkt. Das hat er bei Infra Suisse zweifellos.