Langfristig verantwortungsvoll

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Der Infrastrukturbau musste wegen COVID-19 zum Glück nie vollständig eingestellt werden. Doch komplett verschont von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie blieben auch die Bauunternehmen nicht. Im Kanton Tessin oder in Teilen der Westschweiz ist die Situation sogar äusserst schwierig. Im Tessin sind die Umsätze der Baubranche gemäss Schweizerischem Baumeisterverbands komplett weggebrochen. Die Romandie verzeichnet Einbussen von 40 Prozent. Die Liquiditätshilfen des Bundesrates sind darum auch für die Unternehmen der Bauwirtschaft wichtig. Rund 10 Prozent aller Mitarbeitenden des Bauhauptgewerbes befinden sich derzeit in Kurzarbeit.

Während der ersten Monate der COVID-19-Krise ist der Infrastrukturbau noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Jedoch ist die Gefahr reell, dass der grosse Umsatzeinbruch erst in einigen Monaten erfolgt. Einen solchen gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Nicht, indem staatliche Konjunkturprogramme hochgefahren werden. Es reicht und hilft schneller, wenn Investitionen wie vorgesehen getätigt und neue Projekte mit Hochdruck vorangetrieben werden. Denn vor der Pandemie waren die Auftragslage und auch die Zukunftsaussichten im Infrastrukturbau gut. Das zeigt eine Marktstudie von Infra Suisse, die im Februar dieses Jahres publiziert wurde.

Der Schweizerische Baumeisterverband und Infra Suisse haben in wenigen Punkten zusammengefasst, welche Massnahmen Behörden und Bauherren der Gemeinden, Kantone oder des Bundes ergreifen können, um die Baubranche direkt und wirkungsvoll zu unterstützen. So wird nachdrücklich empfohlen, baureife Projekte rasch auszuschreiben und zu vergeben. Planung und Projektierung sollten intensiviert und Bewilligungsverfahren beschleunigt werden. Die Schutzbestimmungen auf den Baustellen sind selbstverständlich strikt einzuhalten, doch auf zusätzliche Einschränkungen ist wenn immer möglich zu verzichten.

Der Nutzen solcher Massnahmen für die Wirtschaft wäre rasch und unmittelbar. Nationale und kantonale Infrastrukturfonds oder kommunale Investitionsbudgets machen diese vergleichsweise einfach möglich. Mehrkosten im Gegensatz zu Konjunkturprogrammen entstehen kaum. Das ist langfristig verantwortungsvoll.

Matthias Forster