Regieren ist doof!

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Schon bald ein Monat ist seit dem Dreikönigstag vergangen. Dem Tag, an dem man traditionellerweise ein Süssgebäck verzehrt und dabei hofft, dass in seinem Kuchenstück eine kleine Plastikfigur steckt. Wer fündig wird, ist für einen Tag König. Der Brauch mit dem Dreikönigskuchen ist bei Kindern sehr beliebt. Welches Kind möchte nicht – zumindest für einen Tag – König sein? Die temporäre Durchlaucht ist dann sowohl vom Geschirr abräumen wie vom Kaninchen füttern befreit und kann das Tages- oder gar das Fernsehprogramm bestimmen.

Mein Sohn griff heuer gleich mit dem ersten Kuchenstück nach dem Königstitel. Die Krone aufzusetzen und während eines ganzen Tages – der 6. Januar fiel diesmal auf einen Sonntag – der Familie zu sagen, wo es langgeht, ist für einen Fünfjährigen keine schlechte Sache.

Was täten Sie, wären Sie König? Sind Sie ein Bauherr, so könnten Sie zum Beispiel den Unternehmern befehlen, nur noch kostendeckende Preise zu offerieren oder auf Nachträge zu verzichten. Als Unternehmer würden Sie den Bauherren vielleicht rollende Planungen verbieten.

In der Wirtschaft wünscht man sich im Allgemeinen möglichst keine Vorgaben und möglichst grosse unternehmerische Freiheit. Auch in der Bauwirtschaft. Unternehmer brauchen Spielraum, um die sich bietende Chancen nutzen, Gewinn erzielen und ihre Betriebe weiter entwickeln zu können.

Da und dort beobachte ich aber auch Unternehmer, die für mehr staatliche Regulierung einstehen. Meistens dort, wo Mitbewerber einen Handlungsspielraum besser ausnutzen. Mit unkonventionellen Ideen, neuen Methoden oder grösserer Risikobereitschaft. Die Forderung nach strengeren Auflagen wird mit dem „Bedürfnis nach gleich langen Spiessen“ begründet. Ist diese Argumentation liberal?

Gegen klare und faire Spielregeln ist nichts einzuwenden. Wenn aber liberale Unternehmer in den Chor derer einstimmen, die mehr Staatsinterventionen verlangen, erstaunt das schon. Freiheit und Wettbewerb dürfen nicht nur dann gut sein, wenn sie einem selber dienen.

Spielräume, Macht und Einfluss haben nicht nur Sonnenseiten. Man muss sich nämlich immer wieder entscheiden. Und das fällt nicht allen leicht. Diese Erfahrung machte am Dreikönigstag auch mein Sohn. Nach dem Morgenessen ordnete er an, zwei seiner Lieblingsspiele zu spielen. Seine Untertanen gehorchten. Nach dem Spielen musste er die weiteren Aktivitäten des Sonntags anordnen. Er überlegte hin, er überlegte her – und konnte sich einfach nicht entscheiden. Schliesslich drückte er mir die Krone in die Hand und sagte: «Der König muss sich immer entscheiden. Regieren ist doof!»