Kochen und kalkulieren

Publikationen > Kolumnen > Kochen und kalkulieren

Längst begleitet uns der Computer in allen erdenklichen Situationen und Lebenslagen. Ich zum Beispiel nutze mein iPad beim Kochen. Es liefert mir die Rezepte meiner Wahl direkt an den Kochherd. Ein digitales Kochbuch mag seine Nachteile haben, doch im Grossen und Ganzen finde ich es ziemlich praktisch. Darum habe ich mein Kochen zu einem Teil digitalisiert.

In der Wirtschaft schreitet die Digitalisierung ebenfalls voran. Die Bauwirtschaft gehört zwar nicht zu den Vorreitern, doch Computerprogramme, zum Beispiel für die Kostenkalkulation, werden auch von den Bauunternehmen schon seit Jahren eingesetzt. Zu welchem Preis ein Bauwerk aber tatsächlich angeboten wird, das entscheidet nicht der Computer. Dafür braucht es das Urteilungsvermögen eines Menschen aus Fleisch und Blut.

In anderen Branchen hingegen ist eine computerbasierte Preisfestsetzung bereits gang und gäbe: Aufgrund der Tageszeit, der Nachfrage, des Konsumverhalten des Kunden, der Konkurrenzpreise und anderer Einflussfaktoren erstellt der Computer mithilfe eines komplexen Algorithmus in Sekundenbruchteilen massgeschneiderte Angebote. Amerikanische Baseball-Clubs beispielsweise berechnen je nach Wetteraussichten, Tabellenplatz des Gegners und bisheriger Verkaufszahlen den Preis für ein Match-Ticket. Dank der Software können die Veranstalter die maximale Zahlungsbereitschaft der Fans abschöpfen. Ebenfalls voll automatisiert ermittelt Uber, der Anbieter von Taxifahrten, seine Preise. Hierzulande kennt man automatisch berechnete Preise vor allem von den Fluggesellschaften.

Computergenerierte Preisbildung zeigt manchmal ganz unerwartete Resultate und Zweifel sind berechtigt, ob eine solche Preisbildung tatsächlich funktioniert. Wieso ein Flug nach London morgens 40 und am Abend 700 Franken kostet, wird sich dem Konsumenten nie ganz erschliessen. Die Fluggesellschaften halten sich mit Informationen über ihr Pricing auch bewusst zurück. Ebenfalls geheim ist die Preisberechnung bei Uber. Ein Faktor dürfte das aktuelle Wetter sein, denn während eines Schneesturms berechnete deren Preisalgorithmus für eine innerstädtische Fahrt 415 Dollar. Das sei der Preis, den man selber als Marktpreis berechnet hatte, liess Uber verlauten. 2011 lag bei Amazon, das seine Preise ebenfalls automatisiert berechnet, ein Biologiebuch für unglaubliche 1.7 Millionen Dollar in der digitalen Auslage.

In der Baubranche ist das Thema Digitalisierung momentan in aller Munde. Gross sind denn auch die Erwartungen. Bis die Bauunternehmen ihre Angebote von einem Computerprogramm beim Bauherrn einreichen lassen, könnte meiner Meinung nach noch etwas Zeit vergehen.

Auch ich lasse mein iPad in der Küche vorläufig nur bis an den Rand des Kochfelds. Fürs Abschmecken und Nachwürzen bin noch immer ich höchstpersönlich zuständig.

Verwandte Themen

Parlament beschliesst Revision des Beschaffungsrechts

Fr 21.6.19 - Die eidgenössischen Räte haben einstimmig die Totalrevision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen BöB beschlossen. Das Gesetz stärkt den...

Mehr lesen