Im Sommer wird auf unseren Strassen gebaut – zum Glück

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Freie Fahrt! Ohne Behinderungen, ohne Baustellen, ohne Staus. Das wünscht sich jede Automobilistin und jeder Lastwagenchauffeur. Am allermeisten, wenn es in die Ferien geht. Denn der Drang, so schnell als möglich an der Côte d’Azur, in der Normandie oder an der Adria zu sein, ist gross. Staus, verursacht durch kilometerlange Baustellen, sind dann ein besonderes Ärgernis. Fragt man die Ferienrückkehrer nach ihren Erlebnissen, sind oftmals weder das blaue Meer, der saubere Strand noch die feinen Muscheln ein Thema. Sie ärgern sich – wunderbar erholt notabene – über die vielen Baustellen in der Schweiz.

Anders sieht es natürlich im Ausland aus. Weder in Frankreich, Italien, Spanien oder Kroatien trifft man im Sommer Strassenbaustellen an. Schon gar nicht auf den Autobahnen. Und wenn überhaupt, sieht man eine Belagsfräse und einen Fertiger, die nachts – ganz leise und von den Touristen unbemerkt – 100 Meter Deckbelag rausfräsen und anschliessend gleich wieder einbauen. Ein Vorgehen, das dem Erholungsbedarf der Schweizer Touristen sehr entgegen kommt.

Sollen wir unsere Bauwerke langfristig leistungsfähig und zuverlässig sein, so müssen sie regelmässig unterhalten und erneuert werden. Dies gilt für die National-, Kantons- und Gemeindestrassen. Darum tun wir gut daran, regelmässig auf unseren Strassen Baustellen einzurichten. Dafür muss der Staat auch das notwendige Geld zur Verfügung stellen. Falls er das kann.

Wenn wir ins grenznahe Ausland schauen, ist es nicht so, dass diese ihre Strassen nicht unterhalten und sanieren möchten. Aufgrund der Wirtschaftskrise und einer enorm hohen Staatsverschuldung haben sie schlichtweg kein Geld dafür. Und wenn in einer Staatskasse ein Loch klafft, werden zuerst die Investitionen zusammengestrichen. Defekte Strassenabschnitte werden darum nur notdürftig geflickt. Ohne grossen Aufwand und ohne grosse Baustelle. In Italien, in Frankreich oder in Kroatien. Mit einer guten Baustellenplanung oder einem umfassendem Verkehrsmanagement hat dies rein gar nichts zu tun.

Übrigens: Gemäss Bundesamt für Strassen wurden im Jahr 2011 gut zwei Drittel oder rund 16‘000 Staustunden durch Verkehrsüberlastungen verursacht. Dies entspricht einer Zunahme um 34 Prozent. Um 14 Prozent auf 1600 Stunden gesunken ist hingegen die Staudauer wegen Baustellen. Vielleicht sollten dies auch die Schweizer Touristen, welche auf den (besseren) ausländischen Autobahnen ihre Ferien verbringen, einmal zur Kenntnis nehmen.