Die SBB und das Galaxy Note 7

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Alles war so wunderbar geplant. Und dann dieses Desaster! Angepriesen als «perfektes Smartphone» sollte das Galaxy Note 7 von Samsung den lange ersehnte Befreiungsschlag gegen den Branchenprimus aus den USA werden. Doch was als Wunderwaffe gedacht war, entwickelte sich zum Debakel. Das Galaxy Note 7 lief zwar heiss, doch leider nicht so, wie es sich der südkoreanische Technologiekonzern vorstellte: Einige der edlen Smartphones ging beim Einschalten oder Aufladen in Flammen auf.

Ebenfalls ein edles Produkt hat die SBB für die Schweizer Bauwirtschaft vorgesehen: Mehr Sicherheit auf den Baustellen. Schlimme Unfälle soll es künftig keine mehr geben. Das Baustellenpersonal wird umfangreicher ausgebildet. Zum Bauen zugelassen wird nur noch, wer Erfahrung auf SBB-Baustellen hat und diese auch nachweisen kann.

Mehr Sicherheit ist gut. Bei der SBB bestand dafür offenbar Bedarf. Für mehr Sicherheit sind auch die Unternehmen gerne bereit, ihren Beitrag zu leisten. Was die SBB mit den neuen Sicherheitsausbildungen und Anforderungen aber aufgegleist hat und noch immer ziemlich unkoordiniert einzuführen versucht, droht für den Schweizer Infrastrukturbau fatale Folgen zu haben. Für die meisten Tiefbauunternehmen wird es damit nämlich mittelfristig unmöglich, für die SBB konkurrenzfähige Angebote zu machen.

Rauch erzeugte das Projekt der SBB von Anfang an. In Kraft getreten sind die Neuerungen Anfang dieses Jahres. Nur wie sie konkret und korrekt umzusetzen sind hat kaum jemand gewusst. Weder in der Baubranche noch innerhalb der SBB. Entsprechend unkoordiniert werden die Massnahmen umgesetzt. Umfassende und gesicherte Informationen gibt es keine. Wer eine Antwort auf seine Fragen will, geht leer aus. Die verlangten Ausbildungen für die Mitarbeitenden können nicht gebucht werden. Obligatorische Ausweise werden nicht geliefert. Die Liste der Unzulänglichkeiten und Unklarheiten hat mittlerweile ein beängstigendes Mass angenommen. Besserung wird versprochen. Passiert ist wenig.

Samsung stoppte nach den ersten Problemen umgehend den Verkauf seines Galaxy Note 7, startete eine weltweite Rückrufaktion und tauschte die Akkus aus. Als die Geräte weiterhin Feuer fingen und deswegen gar ein Flugzeug notlanden musste, stellte Samsung die Herstellung des Modells komplett ein. Ganz nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Der Vorfall dürfte den koreanischen Konzern viel Vertrauen und rund eine Milliarde US-Dollar kosten. Demnächst soll das Nachfolgemodell auf den Markt kommen und die Probleme damit aus dem Weg geräumt sein.

Eine Rückrufaktion ihres Sicherheitskonzepts sollte auch die SBB ernsthaft in Erwägung ziehen. Und es beim nächsten Mal besser machen. Im Interesse der Sicherheit.